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Fankultur: Bundesliga und Premier League im Vergleich

Leere Stehplatzstufen mit Wellenbrecher

Zwei Stadien, zwei Sonntagnachmittage, zwei völlig verschiedene Geräuschkulissen. Der Unterschied zwischen der Bundesliga und der Premier League fällt Besuchern beider Ligen sofort auf, und er lässt sich nicht mit Temperament erklären.

Er hat vier konkrete Ursachen: die Bauweise der Ränge, den Preis einer Karte, die Eigentumsverhältnisse der Vereine und eine Katastrophe aus dem Jahr 1989.

Stehplätze als baulicher Unterschied

Deutsche Stadien haben Stehplätze, englische nicht. Nach der Katastrophe von Hillsborough 1989, bei der 96 Zuschauer starben, empfahl der Taylor-Report reine Sitzplatzstadien für die höchsten englischen Spielklassen, und diese Vorgabe prägt die Ränge bis heute. Erst in jüngerer Zeit wurden wieder kontrollierte Stehbereiche zugelassen, zunächst versuchsweise und in kleinem Umfang.

Der Effekt auf die Atmosphäre ist größer, als es klingt. Eine Stehkurve verdichtet mehrere zehntausend Menschen auf engem Raum und lässt sie sich frei bewegen, was gemeinsames Singen und koordinierte Aktionen überhaupt erst ermöglicht. Auf nummerierten Sitzplätzen bleibt jede Gruppe da, wo ihre Karte hinzeigt.

Der Preis entscheidet, wer kommt

Dauerkarten in der Bundesliga kosten seit Jahren deutlich weniger als in England, und in den Stehbereichen liegen die Preise noch einmal darunter. Das ist keine Nebensache, sondern bestimmt die Zusammensetzung des Publikums.

Niedrige Preise erlauben es, jedes Heimspiel zu besuchen, auch für junge Zuschauer ohne eigenes Einkommen. Genau diese Gruppe trägt die organisierten Fanszenen. Steigen die Preise, verschiebt sich das Publikum hin zu älteren, wohlhabenderen Besuchern und zu Touristen, die ein Spiel einmalig sehen wollen. Beides ergibt eine ruhigere Kulisse.

Die Bundesliga hat über Jahre die höchsten Zuschauerschnitte Europas erreicht, und die Preisstruktur ist der Hauptgrund dafür.

50+1 und die Frage, wem ein Verein gehört

In Deutschland schreibt die sogenannte 50+1-Regel vor, dass die Stimmenmehrheit an einer ausgegliederten Profiabteilung beim Mutterverein bleiben muss, also bei den Mitgliedern. Investoren können Anteile halten, aber nicht durchregieren. In England gibt es keine vergleichbare Beschränkung, weshalb Klubs vollständig in den Besitz einzelner Eigentümer oder Staatsfonds übergehen können.

Für die Fankultur folgt daraus ein Selbstverständnis, das in England so nicht existiert. Deutsche Fanszenen verstehen sich als Teil des Vereins mit Stimmrecht, nicht als Kundschaft. Proteste gegen Anstoßzeiten, Ticketpreise oder Investoreneinstiege richten sich entsprechend an ein Gremium, in dem die Protestierenden selbst abstimmen dürfen.

Was die englische Kulisse dafür kann

Ein Vergleich, der nur in eine Richtung ausschlägt, ist selten richtig. Englische Stadien liegen häufiger mitten in Wohnvierteln, sind älter, enger und näher am Spielfeld gebaut, was den Schall anders trägt. Die Gesänge entstehen spontaner, oft als Reaktion auf eine einzelne Szene, statt als vorbereitete Choreografie.

Dazu kommt eine Tradition des situativen Humors, für die es im deutschen Fußball kaum eine Entsprechung gibt. Wer beide Ligen besucht, beschreibt den Unterschied deshalb meist nicht als lauter gegen leiser, sondern als organisiert gegen improvisiert.

Warum sich die beiden Modelle annähern

Die Bewegungsrichtung ist an beiden Enden erkennbar. In England wächst der Druck, Stehbereiche wieder zuzulassen und Ticketpreise zu begrenzen, getragen von Fanorganisationen, die sich ausdrücklich auf das deutsche Modell berufen. In Deutschland wiederum steigen die Erlöse aus internationaler Vermarktung, und mit ihnen der Wunsch nach Anstoßzeiten, die zu Fernsehmärkten außerhalb Europas passen.

Beides zielt auf denselben Punkt: darauf, wie viel Einfluss ein Publikum auf die Bedingungen hat, unter denen es zuschaut. In dieser Frage ist der Unterschied zwischen den Ligen größer als in der Lautstärke.

Wie sich der Unterschied messen lässt

Atmosphäre klingt nach einer Frage des Gefühls, hinterlässt aber Spuren in Zahlen. Der Zuschauerschnitt beschreibt, wie viele überhaupt kommen. Der Anteil der Dauerkarten an der Gesamtkapazität beschreibt, wie viele davon jedes Heimspiel dieselben sind, und genau daraus entsteht eine Fanszene, die sich kennt. Ein Stadion mit hoher Auslastung und wenigen Dauerkarten füllt sich anders als eines, in dem dieselben Menschen seit zwanzig Jahren nebeneinanderstehen.

Eine dritte Zahl wird selten genannt und sagt am meisten: das Durchschnittsalter im Block. Es lässt sich nicht abrufen, aber jeder, der beide Ligen besucht, schätzt es intuitiv, und die Schätzungen gehen weit auseinander.

Häufige Fragen zur Fankultur

Warum gibt es in England keine Stehplätze?

Nach der Katastrophe von Hillsborough 1989 empfahl der Taylor-Report reine Sitzplatzstadien für die höchsten Spielklassen. Erst in jüngerer Zeit wurden kontrollierte Stehbereiche wieder versuchsweise zugelassen.

Was besagt die 50+1-Regel?

Die Stimmenmehrheit an der Profiabteilung muss beim Mutterverein und damit bei den Mitgliedern bleiben. Investoren können Anteile halten, aber nicht allein bestimmen.

Sind Bundesliga-Karten wirklich günstiger?

Ja, insbesondere in den Stehbereichen. Das ist der Hauptgrund für die hohen Zuschauerschnitte und dafür, dass jüngere Fans regelmäßig kommen können.

Ist die englische Atmosphäre schlechter?

Sie ist anders. Englische Stadien sind enger und näher am Feld gebaut, die Gesänge entstehen spontaner. Der Unterschied liegt eher zwischen organisiert und improvisiert als zwischen laut und leise.