Kuranyis Abgang aus dem Stadion — und aus der Nationalmannschaft
Kevin Kuranyi verließ das Stadion, während die deutsche Nationalmannschaft in Dortmund noch gegen Russland spielte. Er meldete sich bei niemandem ab. Beim gemeinsamen Aufbruch im Mannschaftsbus wurde er zunächst gesucht, dann fuhr das Team ohne ihn.
Mediendirektor Harald Stenger bestätigte den Vorgang gegenüber der DPA knapp: „Er ist nicht mit dem Bus zurückgefahren. Nach erfolgloser Suche ist die Mannschaft ohne Kuranyi aus Dortmund abgefahren.“ Während der Rückfahrt erfuhren die Spieler über die Presse, dass Kuranyi seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hatte. Als Grund nannte er fehlenden Rückhalt durch Bundestrainer Joachim Löw.
26 Jahre — ein früher Zeitpunkt
Kuranyi war zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre alt. Für einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft ist das ungewöhnlich früh; die meisten Spieler dieses Jahrgangs haben ihre besten Länderspieljahre noch vor sich. Vorausgegangen war eine längere Phase ohne Tore, in der seine Einsatzzeiten entsprechend zurückgingen.
Im Hintergrund stand vermutlich auch die Nichtberücksichtigung für die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land — eine Entscheidung, die Kuranyi nie öffentlich abgehakt hatte. Der Vergleich mit Miroslav Klose, der trotz eigener Torflauten gesetzt blieb, lag für viele Beobachter nahe, trug aber nur bedingt: Klose hatte sich in der Nationalmannschaft über Jahre eine andere Ausgangslage erarbeitet.
Die naheliegende Alternative wäre gewesen, bei Schalke 04 zu treffen und die Rückkehr über Leistung zu erzwingen. Stattdessen endete Kuranyis Länderspielkarriere an einem Oktoberabend im Dortmunder Stadion — nicht mit einer Auswechslung, sondern mit einem leeren Platz im Bus.