Der Fall Jako gegen Trainer Baade
Der Sportartikelhersteller Jako, unter anderem Trikotausrüster mehrerer Bundesliga-Vereine, ging im Spätsommer 2009 juristisch gegen einen Blogger vor. Auslöser war ein Beitrag des Fußballbloggers Trainer Baade, der sich kritisch mit dem Unternehmen und dessen neuem Logo befasst hatte. Jako wertete die Passagen als Schmähkritik und machte einen wirtschaftlichen Schaden geltend.
Der Beitrag selbst war zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr online. Er wurde unmittelbar nach der ersten Abmahnung gelöscht; rund 400 Menschen hatten ihn bis dahin überhaupt zu Gesicht bekommen. Aus dieser Ausgangslage wurden im weiteren Verlauf Forderungen im vierstelligen bis fünfstelligen Bereich — die Chronologie hat allesaussersport seinerzeit dokumentiert.
Aus 400 Lesern wurden Zehntausende
Was folgte, ist inzwischen ein Standardbeispiel für den Streisand-Effekt. Die Abmahnung erzeugte genau die Öffentlichkeit, die sie verhindern sollte. Innerhalb weniger Tage griffen zahlreiche deutschsprachige Blogs den Vorgang auf, das Thema lief über Twitter, und eine Google-Suche nach dem Firmennamen führte vor allem zu Berichten über den Rechtsstreit statt zu Produkten.
Auch die Fanszene der Eintracht Frankfurt diskutierte den Fall — dort mit dem zusätzlichen Beigeschmack, dass Jako zu dieser Zeit Ausrüster des Vereins war. Aus einem gelöschten Blogbeitrag mit dreistelliger Leserzahl war binnen einer Woche ein Vorgang geworden, der einer hohen fünfstelligen Zahl von Menschen im Netz bekannt war.
Der Twitter-Account, der keiner war
Zur Eskalation gehörte eine Episode, die den Umgang des Unternehmens mit der Plattform illustrierte. Unter dem Namen JAKO_Sport tauchte ein Account auf, der zunächst für echt gehalten wurde und dessen Ton die Lage kaum verbesserte. Wenige Tage später stellte sich heraus, dass es sich um eine Fälschung handelte — was den Wirbel eher vergrößerte als beendete.
Der eigentliche Konflikt drehte sich um eine Frage, die über den Einzelfall hinausging: Wie weit reicht die freie Meinungsäußerung, wenn ein Unternehmen die Kosten eines Rechtsstreits als Druckmittel einsetzen kann? Für die deutschsprachige Blogosphäre wurde der Fall zu einer der ersten größeren Auseinandersetzungen dieser Art — und zu einer Lektion darüber, was juristischer Druck gegen Kritik im Netz tatsächlich bewirkt.