PPDA erklärt: wie sich Pressing im Fußball überhaupt messen lässt
Pressing gilt als die prägende Idee des Fußballs der vergangenen zwei Jahrzehnte, und lange gab es keine Zahl dafür. Man sah es oder man sah es nicht.
Die Kennzahl, die sich durchgesetzt hat, trägt ein sperriges Kürzel: PPDA, Passes Per Defensive Action. Sie ist ungewöhnlich, weil ein niedriger Wert das Gute bedeutet.
Die Rechnung hinter dem Kürzel
PPDA zählt, wie viele Pässe der Gegner spielen darf, bevor die eigene Mannschaft eingreift. Als Eingriff gelten Abwehraktionen wie Tacklings, abgefangene Bälle und Fouls. Geteilt wird die Zahl der gegnerischen Pässe durch die Zahl dieser Aktionen.
Ein Wert von 8 heißt: Nach durchschnittlich acht gegnerischen Pässen kam eine Störung. Ein Wert von 20 heißt, der Gegner durfte zwanzig Pässe unbehelligt spielen. Je niedriger die Zahl, desto aggressiver das Pressing.
Entscheidend ist die Einschränkung, die dazugehört. Gezählt wird üblicherweise nur in den vorderen rund sechzig Prozent des Feldes, denn Zweikämpfe vor dem eigenen Strafraum sind kein Pressing, sondern Verteidigung. Ohne diese Einschränkung würde ausgerechnet die tief stehende Mannschaft die besten Pressingwerte bekommen.
Was der Wert nicht sagt
Er sagt nichts über Erfolg. Eine Mannschaft kann früh und oft stören und trotzdem jedes Mal überspielt werden. PPDA misst Intensität und Höhe des Zugriffs, nicht dessen Wirkung.
Er ist außerdem stark vom Spielstand abhängig. Wer führt, presst weniger, und wer zurückliegt, presst mehr. Ein Vergleich zweier Mannschaften über eine einzelne Partie ist deshalb fast wertlos; über eine Saison beschreibt der Wert dagegen recht zuverlässig, welche Idee ein Trainer verfolgt.
Wie sich der Wert in der Praxis nutzen lässt
Sinnvoll wird PPDA im Vergleich mit zwei anderen Zahlen. Neben dem Ballbesitz zeigt er, ob eine Mannschaft den Ball haben will oder ihn nur zurückgewinnen will. Neben der Zahl der Ballgewinne im letzten Drittel zeigt er, ob das Pressing tatsächlich zu etwas führt.
Bleibt der PPDA-Wert niedrig, während die Ballgewinne vorn ausbleiben, presst eine Mannschaft viel und trifft dabei ins Leere. Das ist keine seltene Konstellation, und sie ist an keiner der beiden Zahlen für sich erkennbar.
Woher der Wert stammt
PPDA kommt nicht aus dem Profifußball, sondern aus der öffentlichen Analyse-Szene der zehner Jahre, in der Blogger und Statistiker mit frei verfügbaren Ereignisdaten arbeiteten. Der Wert ist bewusst simpel gebaut: Er braucht keine Positionsdaten, sondern nur die Liste der Aktionen eines Spiels, und war deshalb einer der ersten Pressing-Indikatoren, den überhaupt jemand von außen berechnen konnte.
Diese Herkunft erklärt seine Verbreitung ebenso wie seine Grobheit. Ein Verein mit Zugriff auf Positionsdaten misst Pressing heute genauer, etwa über die Höhe der Ballgewinne oder die Zeit bis zum ersten Zugriff nach Ballverlust. Für die öffentliche Diskussion ist PPDA trotzdem die Zahl geblieben, weil sie jeder nachrechnen kann.
Was hohe Werte beschreiben
Ein PPDA über 15 bedeutet in der Regel keine schlechte Verteidigung, sondern eine andere Idee. Mannschaften, die tief stehen und den Raum hinter der Abwehr klein halten, lassen den Gegner vorn bewusst zirkulieren und greifen erst an der eigenen Strafraumgrenze an. Ihr Pressingwert ist hoch, und ihre Gegentorbilanz kann trotzdem hervorragend sein.
Umgekehrt gibt es Mannschaften mit sehr niedrigem PPDA, die genau daran zugrunde gehen. Frühes Anlaufen kostet Kraft und öffnet Räume hinter der Kette, und wenn der Zugriff nicht sitzt, steht die Abwehr in Unterzahl. Die Zahl allein sagt nicht, welcher der beiden Fälle vorliegt. Sie sagt nur, dass es einer davon ist.
Zum Kontext: Ballbesitz, Zweikampfquote und der Überblick zur Fußball-Statistik.
Was der Wert für Zuschauer taugt
Wer eine Mannschaft über eine Saison beobachtet, braucht PPDA nicht, um zu erkennen, ob sie früh anläuft. Das sieht man. Nützlich wird die Zahl erst im Vergleich, also bei der Frage, ob dieses Pressing im Ligamaßstab tatsächlich aggressiv ist oder nur so wirkt, weil es gut inszeniert wird.
Dabei hilft eine Eigenheit des Werts: Er ist über Ligen hinweg halbwegs vergleichbar, solange man bei derselben Datenquelle bleibt. Anders als Ballbesitz oder Passquote hängt er kaum davon ab, wie viel gespielt wird, sondern davon, wie schnell gestört wird. Zwei Mannschaften aus zwei Ländern lassen sich damit sinnvoller nebeneinanderstellen als über die meisten anderen Defensivkennzahlen.
Häufige Fragen zu PPDA
Wofür steht PPDA?
Passes Per Defensive Action: gegnerische Pässe geteilt durch eigene Abwehraktionen. Ein niedriger Wert bedeutet aggressives Pressing.
Warum wird nur ein Teil des Feldes gezählt?
Weil Zweikämpfe vor dem eigenen Strafraum kein Pressing sind. Ohne diese Einschränkung bekäme die tiefstehende Mannschaft die besten Werte.
Ist ein niedriger PPDA-Wert immer gut?
Nein. Er zeigt Intensität, nicht Wirkung. Eine Mannschaft kann früh stören und dabei regelmäßig überspielt werden.
Taugt der Wert für ein einzelnes Spiel?
Kaum, weil er stark vom Spielstand abhängt. Über eine Saison beschreibt er dagegen zuverlässig die Spielidee einer Mannschaft.