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xGOT erklärt: was Post-Shot Expected Goals über den Abschluss verraten

Leeres Tornetz im Flutlicht

Ein Schuss aus sechzehn Metern, zentral, ohne Gegenspieler davor: Expected Goals sagt 0,12. Der Ball fliegt in den Winkel. Beide Aussagen sind richtig, und sie widersprechen sich nur scheinbar.

Denn die eine bewertet die Gelegenheit, die andere die Ausführung. Für den zweiten Teil gibt es eine eigene Kennzahl, die in Übertragungen als xGOT auftaucht oder als Post-Shot Expected Goals.

Was xGOT von xG unterscheidet

Der klassische xG-Wert entsteht in dem Moment, in dem der Fuß den Ball trifft. Alles, was danach passiert, ist für ihn irrelevant: Ein Schuss, der zwei Meter über das Tor geht, und ein Schuss, der von der Unterkante der Latte ins Netz springt, bekommen denselben Wert, sofern sie aus derselben Position kamen.

xGOT setzt genau hier an. Es bewertet nur Schüsse, die tatsächlich aufs Tor gehen, und rechnet dazu die Flugbahn ein: wohin der Ball im Torrahmen unterwegs war, wie hart er getroffen wurde, wo der Torwart stand. Ein flacher Ball ins lange Eck bekommt einen hohen Wert, ein Schuss zentral auf den Torwart einen niedrigen.

Die Differenz zwischen beiden Werten ist die eigentliche Information.

Wie sich die Differenz lesen lässt

Liegt der xGOT-Wert eines Stürmers über eine Saison deutlich über seinem xG-Wert, hat er aus durchschnittlichen Gelegenheiten überdurchschnittliche Abschlüsse gemacht. Das ist die datengestützte Version dessen, was Kommentatoren Abschlussqualität nennen.

Für Torhüter funktioniert dieselbe Rechnung rückwärts. Die Summe der xGOT-Werte aller Schüsse auf sein Tor beschreibt, wie viele Gegentore ein durchschnittlicher Torwart kassiert hätte. Liegt die tatsächliche Zahl darunter, hat er über den Erwartungswert hinaus gehalten. Diese Größe wird oft als Goals Prevented geführt und ist inzwischen einer der wenigen halbwegs belastbaren Wege, Torhüter miteinander zu vergleichen.

Warum die Kennzahl trotzdem mit Vorsicht zu behandeln ist

xGOT hat dieselbe Stichprobenschwäche wie xG, nur schärfer. Ein Spieler kommt in einer Saison auf vielleicht dreißig bis fünfzig Schüsse aufs Tor, und aus dieser Menge lässt sich keine stabile Aussage über sein Können ableiten. Über zwei oder drei Spielzeiten wird das Bild belastbarer.

Dazu kommt eine Eigenheit, die selten erwähnt wird: Der Wert belohnt Präzision, aber er kennt keine Absicht. Ein abgefälschter Ball, der unhaltbar ins Eck dreht, bekommt denselben hohen Wert wie ein perfekt getroffener Schuss. Das Modell sieht die Flugbahn, nicht den Plan dahinter.

Wie die Kennzahl die Bewertung von Torhütern verändert hat

Vor xGOT war die Torhüterstatistik im Kern eine Quote: gehaltene Bälle geteilt durch Schüsse aufs Tor. Diese Zahl bestraft jeden, der hinter einer schwachen Abwehr steht, weil sie jeden Schuss gleich gewichtet, den harmlosen Aufsetzer aus dreißig Metern genauso wie den Kopfball aus fünf.

Mit der Flugbahn im Modell fällt diese Verzerrung weitgehend weg. Ein Torhüter, der pro Saison fünf Tore weniger kassiert, als die Summe der xGOT-Werte erwarten lässt, hat messbar überdurchschnittlich gehalten, unabhängig davon, wie oft er überhaupt geprüft wurde. Genau deshalb hat sich die Kennzahl in der Kaderplanung schneller durchgesetzt als in der Berichterstattung.

Ein Vorbehalt bleibt auch hier. Das Modell bewertet den Schuss ab dem Moment, in dem er den Fuß verlässt, und weiß nichts über die Position des Torhüters davor. Wer durch gutes Stellungsspiel dafür sorgt, dass ein Angreifer aus einem schlechten Winkel abschließt, bekommt dafür keinen Punkt. Er taucht in der Statistik nur als jemand auf, der einen leichten Ball gehalten hat.

Wo die Zahl auftaucht

In Übertragungen erscheint xGOT meist als Zusatz zur xG-Einblendung, gelegentlich auch als einzelne Zahl neben einem Torschuss. In öffentlich zugänglichen Statistikportalen ist sie verbreiteter als noch vor wenigen Jahren, allerdings unter uneinheitlichen Namen: Post-Shot xG, xG on Target, PSxG. Gemeint ist in aller Regel dasselbe.

Für die Einordnung neben den übrigen Größen: Expected Goals im Detail, sowie der Überblick zur Fußball-Statistik.

Diese Namensvielfalt ist mehr als ein Schönheitsfehler. Wer zwei Portale nebeneinanderlegt, weiß oft nicht, ob dieselbe Größe gemeint ist oder eine leicht andere Variante, und die Werte weichen entsprechend voneinander ab. Ein Blick in die Methodenbeschreibung des jeweiligen Anbieters beantwortet die Frage in der Regel innerhalb einer Minute. Nur macht sich diese Mühe fast niemand.

Wer die Kennzahl im Alltag nutzen will, braucht ohnehin nur eine Faustregel: xG für die Frage, wie eine Mannschaft zu ihren Chancen kommt, xGOT für die Frage, was sie daraus macht.

Häufige Fragen zu xGOT

Was bedeutet xGOT ausgeschrieben?

Expected Goals on Target. Die Kennzahl bewertet ausschließlich Schüsse, die aufs Tor gehen, und bezieht die Flugbahn des Balls mit ein.

Ist xGOT besser als xG?

Es ist nicht besser, sondern beantwortet eine andere Frage. xG bewertet die Chance, xGOT den Abschluss. Erst zusammen ergeben sie ein Bild.

Wozu dient die Kennzahl bei Torhütern?

Die Summe der xGOT-Werte aller Schüsse auf sein Tor sagt, wie viele Gegentore ein durchschnittlicher Torwart kassiert hätte. Der Abstand zur tatsächlichen Zahl ist seine Leistung über oder unter dem Erwartungswert.

Zählt ein abgefälschter Schuss mit?

Ja, und das ist eine bekannte Schwäche. Das Modell bewertet die Flugbahn, die der Ball genommen hat, nicht die Absicht des Schützen.