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Expected Goals: Bedeutung, Berechnung und Grenzen des xG-Werts

Strafraum mit Elfmeterpunkt im Flutlicht

Ein Stürmer steht sechs Meter vor dem Tor, der Ball kommt flach von rechts, er schiebt ihn vorbei. Der Kommentar nennt es eine hundertprozentige Chance. Expected Goals nennt es 0,41.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Urteilen ist der ganze Sinn der Kennzahl. Expected Goals im Fußball beantwortet nicht, ob ein Treffer fällig war, sondern wie oft ein Abschluss dieser Art historisch im Tor gelandet ist. Die Bedeutung der Zahl steckt in dieser Verschiebung: weg vom Einzelfall, hin zur Häufigkeit.

Expected Goals: Bedeutung und Grundidee

Jeder Schuss bekommt einen Wert zwischen 0 und 1. Er gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass ein Abschluss mit diesen Eigenschaften zum Tor führt. 0,41 heißt: Von hundert vergleichbaren Situationen endeten einundvierzig im Netz. Die Summe aller Werte einer Mannschaft ergibt den xG-Wert eines Spiels.

Damit wird eine Größe messbar, die vorher nur als Eindruck existierte: Chancenqualität. Zehn Distanzschüsse sind statistisch weniger wert als zwei Abschlüsse aus dem Fünfmeterraum, obwohl die klassische Torschussstatistik das Gegenteil nahelegt.

Die Berechnung: welche Eigenschaften einfließen

In die Berechnung gehen die Merkmale ein, die sich über hunderttausende gespeicherte Abschlüsse als aussagekräftig erwiesen haben. Entfernung zum Tor und Winkel zum Gehäuse tragen am meisten. Dazu kommen Körperteil (Kopf oder Fuß), die Art der Vorlage, ob es sich um einen Konter handelte, ob ein Dribbling voranging und wie viele Gegenspieler in der Schusslinie standen.

Was nicht einfließt, ist ebenso wichtig: die Identität des Schützen und die Ausführung des Schusses. Ein Modell, das den Namen kennt, würde messen, wer schießt, statt was für eine Chance vorlag. Für die Bewertung der Ausführung existiert eine eigene Größe, meist als Post-Shot xG oder xGOT geführt, die erst nach dem Abschluss ansetzt und die Platzierung des Balls berücksichtigt.

Getrennt wird also die Frage der Gelegenheit von der Frage der Ausführung.

Warum zwei Anbieter unterschiedliche xG-Werte melden

Es gibt kein amtliches Expected-Goals-Modell. Opta rechnet mit einem eigenen, StatsBomb mit einem eigenen, die Vereine teilweise mit selbst gebauten. Jedes Modell trainiert auf einem anderen Datenbestand und gewichtet die Merkmale anders. Für dasselbe Spiel kursieren deshalb regelmäßig zwei bis drei Zahlen, die um mehrere Zehntel auseinanderliegen.

Das ist kein Mangel, sondern die Natur der Sache. Vergleichbar sind Werte innerhalb eines Modells, nicht zwischen Modellen. Wer zwei Quellen mischt, produziert eine Differenz, die nichts über das Spiel aussagt.

Wie xG in Übertragung und Berichterstattung auftaucht

In deutschen Übertragungen ist die Kennzahl seit einigen Jahren Teil des Standardrepertoires, meist als Einblendung nach dem Abpfiff und gelegentlich als Kurve, die den Spielverlauf nachzeichnet. Diese Kurve ist der ehrlichste Einsatz des Werkzeugs, weil sie zeigt, wann Chancen entstanden, statt nur wie viele.

Problematisch wird es bei der Formulierung, die fast zwangsläufig folgt: eine Mannschaft habe nach Expected Goals gewonnen. Das Modell trifft keine solche Aussage. Es sagt, wie viele Tore aus diesen Abschlüssen im langfristigen Mittel gefallen wären, und der Mittelwert eines einzelnen Spiels ist eine Konstruktion, kein alternatives Ergebnis. Wer eine Niederlage mit dem xG-Vorsprung relativiert, verwechselt die erwartete Häufigkeit mit einem Anspruch.

Wo die Kennzahl an ihre Grenze stößt

Über neunzig Minuten ist xG ein schwaches Werkzeug. Ein Spiel enthält zu wenige Abschlüsse, als dass sich der Zufall herausmitteln könnte, und ein 0:3 gegen einen xG-Vorsprung ist kein Beweis für Pech, sondern erst einmal ein Ergebnis. Zwölf Abschlüsse sind für ein Modell, das auf hunderttausenden Schüssen beruht, eine winzige Stichprobe.

Nützlich wird die Zahl über Serien. Wenn eine Mannschaft über fünfzehn Spiele deutlich weniger trifft, als ihre Chancenqualität erwarten lässt, ist das ein belastbarer Hinweis. Ob daraus ein Personalproblem im Sturm folgt oder eine Formkrise, sagt kein Modell. Auch beim Elfmeter zeigt sich die Grenze der Kennzahl von einer eher kuriosen Seite: Er bekommt in praktisch jedem Modell einen festen Wert im Bereich von etwa 0,75 bis 0,79, unabhängig davon, wer ihn tritt und in welcher Minute.

Wie sich Expected Goals in die übrigen Kennzahlen der Fußball-Statistik einordnet und warum Anbieter generell auseinanderliegen, steht im Überblick. Verwandte Größen: Passquote und Ballbesitz.

Häufige Fragen zu Expected Goals

Was bedeutet ein xG-Wert von 1,5?

Dass die Chancen dieser Mannschaft zusammengenommen im historischen Durchschnitt eineinhalb Tore ergeben hätten. Es ist ein Erwartungswert, keine Vorhersage für dieses eine Spiel.

Wie wird Expected Goals berechnet?

Ein Modell vergleicht jeden Abschluss mit hunderttausenden gespeicherten Schüssen und gewichtet Entfernung, Winkel, Körperteil, Art der Vorlage und die Zahl der Gegenspieler in der Schusslinie. Heraus kommt eine Wahrscheinlichkeit zwischen 0 und 1.

Warum zeigt Sky einen anderen xG-Wert als andere Quellen?

Weil jedes Modell anders trainiert ist. Es gibt keinen offiziellen Standard, und Abweichungen von mehreren Zehnteln pro Spiel sind normal.

Berücksichtigt xG, wie gut der Schuss ausgeführt war?

Nein. Dafür gibt es eine eigene Kennzahl, Post-Shot xG oder xGOT, die erst nach dem Abschluss ansetzt und bewertet, wohin der Ball tatsächlich flog.

Ab wann ist ein xG-Vergleich aussagekräftig?

Als grobe Faustregel ab einem Zeitraum, in dem sich mehrere hundert Abschlüsse angesammelt haben, praktisch also ab einer halben Saison. Einzelne Spiele sind zu verrauscht.