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Passquote im Fußball: was die Kennzahl misst und was sie verschweigt

Mittellinie eines Trainingsplatzes im Morgentau

Die höchste Passquote eines Bundesliga-Spieltags gehört fast nie einem Spielmacher. Sie gehört meistens einem Innenverteidiger, der neunzig Minuten lang Bälle zwei Meter nach links und zwei Meter nach rechts geschoben hat.

Damit ist das Grundproblem dieser Kennzahl schon beschrieben. Die Passquote im Fußball misst Zuverlässigkeit, nicht Nutzen. Sie ist leicht zu verstehen, leicht zu erheben und genau deshalb leicht misszuverstehen.

Was die Passquote im Fußball genau angibt

Angekommene Pässe geteilt durch gespielte Pässe, ausgedrückt in Prozent. Ein Spieler mit 60 Pässen, von denen 54 den Mitspieler erreichen, steht bei 90 Prozent.

Was als Pass zählt, ist dabei weniger eindeutig, als die Formel aussehen lässt. Manche Anbieter rechnen Flanken mit, andere führen sie getrennt. Eine geklärte Situation, bei der der Ball zufällig einen Mitspieler findet, ist bei dem einen ein angekommener Pass und bei dem anderen eine Klärung. Diese Definitionsfragen erklären den größten Teil der Abweichungen zwischen zwei Statistikquellen.

Genau hier beginnen die meisten Fehldeutungen.

Warum die Position die Quote bestimmt

Innenverteidiger spielen kurze Pässe unter geringem Druck und liegen dadurch regelmäßig über 90 Prozent. Zentrale Mittelfeldspieler bewegen sich meist zwischen 85 und 92 Prozent, Außenspieler darunter, Stürmer am tiefsten, weil ihre Bälle in die engsten Räume gehen.

Ein Vergleich über Positionen hinweg ist deshalb sinnlos. Sinnvoll ist der Vergleich eines Spielers mit sich selbst über mehrere Spiele oder mit Spielern derselben Rolle in derselben Liga. Auch die Spielweise der Mannschaft verschiebt die Werte spürbar: Wer den Ball flach durch die eigene Hälfte zirkulieren lässt, hebt die Quoten aller Beteiligten, während eine Mannschaft mit vielen langen Bällen auf niedrigere Werte kommt, ohne dass ihre Spieler schlechter passen würden.

Ein Beispiel macht den Positionseffekt greifbar. Zwei Spieler kommen im selben Spiel auf 88 Prozent. Der eine ist ein Sechser, der 70 Pässe gespielt hat, fast alle innerhalb der eigenen Hälfte und die meisten davon zur Seite. Der andere ist ein Zehner mit 25 Pässen, von denen ein Drittel in den Rücken der Abwehrkette ging. Dieselbe Quote beschreibt zwei völlig verschiedene Beiträge, und die Statistiktabelle stellt sie ununterscheidbar nebeneinander.

Wann eine hohe Quote ein schlechtes Zeichen ist

Eine steigende Passquote kann bedeuten, dass eine Mannschaft besser geworden ist. Sie kann genauso bedeuten, dass sie ängstlicher geworden ist. Wer nach dem Rückstand aufhört, den vertikalen Ball zu suchen, und stattdessen quer spielt, verbessert seine Quote und verschlechtert seine Lage.

Aus diesem Grund arbeiten Analysten selten mit der reinen Quote. Gebräuchlich sind Zusatzgrößen: die Passquote im letzten Drittel, der Anteil progressiver Pässe, die durchschnittlich überbrückte Distanz nach vorn. Das deutsche Unternehmen Impect geht noch einen Schritt weiter und zählt statt Pässen die Gegenspieler, die ein Pass aus dem Spiel nimmt. Ein Querpass überspielt niemanden und ist nach dieser Logik wertlos, egal wie präzise er war.

In der Praxis lohnt sich ein einfacher Test: die Passquote neben den Ballbesitz und die Zahl der Torschüsse legen. Hohe Quote, hoher Ballbesitz, wenige Abschlüsse ist das klassische Muster einer Mannschaft, die den Ball verwaltet, statt mit ihm etwas anzufangen.

Passvolumen und Passqualität sind zwei Fragen

Neben der Quote steht immer eine zweite Zahl, die seltener zitiert wird und mehr verrät: die Zahl der gespielten Pässe. Sie beschreibt, wie oft ein Spieler am Spiel beteiligt war, und erst gemeinsam ergeben beide Werte ein Bild. Vierundneunzig Prozent bei 15 Pässen bedeuten, dass jemand kaum stattgefunden hat. Vierundachtzig Prozent bei 90 Pässen bedeuten, dass eine Mannschaft ihr Spiel über diesen Spieler geführt hat und dabei ein kalkuliertes Maß an Fehlern in Kauf nahm.

Im Scouting wird die Quote deshalb selten allein betrachtet. Üblich ist die Kombination aus Volumen, Quote und Anteil der Pässe nach vorn, häufig getrennt nach Spielfelddritteln. Eine Passquote im eigenen Drittel von 95 Prozent ist eine Selbstverständlichkeit, dieselbe Quote im letzten Drittel wäre eine Auffälligkeit, weil dort der Raum eng und der Gegner nah ist.

Die übrigen Kennzahlen stehen im Überblick zur Fußball-Statistik. Direkt verwandt sind Ballbesitz und Expected Goals.

Häufige Fragen zur Passquote

Was ist eine gute Passquote im Fußball?

Das hängt vollständig von der Position ab. Für einen Innenverteidiger sind über 90 Prozent normal, für einen Mittelstürmer wären dieselben 90 Prozent ein Hinweis darauf, dass er kaum riskante Bälle spielt.

Wie wird die Passquote berechnet?

Angekommene Pässe geteilt durch gespielte Pässe. Strittig ist weniger die Formel als die Frage, was überhaupt als Pass in die Erhebung eingeht, etwa bei Flanken und Klärungen.

Warum hat der beste Spieler oft nicht die beste Quote?

Weil schwierige Pässe häufiger scheitern. Wer den Ball durch die Schnittstelle spielt, kauft sich Torgefahr mit einer niedrigeren Quote.

Gibt es aussagekräftigere Alternativen?

Ja, etwa die Quote im letzten Drittel, der Anteil progressiver Pässe oder Ansätze wie der von Impect, die zählen, wie viele Gegenspieler ein Pass überspielt.